25 Jahre Stadtbus Dornbirn

18.10.2016: Stadt Dornbirn als Pionier für den öffentlichen Verkehr

Die Anfänge einer Erfolgsgeschichte - Stadtbushaltestelle in der Riedgasse

Elektrische Bahn Dornbirn-Lustenau (EBDL) und Bus der Deutschen Reichspost

Neue Linie nach Kehegg

Die Stadtbusse der ersten Generation wurden auch Jahre danach noch in St. Petersburg eingesetzt

Vor 25 Jahren wurde mit der Eröffnung des Stadtbus Dornbirn Geschichte geschrieben. Die rote Stadtbusflotte war von Beginn an so erfolgreich, dass das neue System des öffentlichen Nahverkehrs bald auch von den anderen Städten übernommen wurde. Die Stadt Dornbirn stellt das Konzept und das Design damals im Interesse der umweltfreundlichen Mobilität kostenlos zur Verfügung. Bald danach wurden auch die Landbusse – als Verbindung der städtischen Systeme – in das Netz integriert. „Mit dem ersten Stadtbussystem im Rheintal leistete Dornbirn vor 25 Jahren Pionierarbeit. Wir sind stolz, dass diese Idee so viele Nachahmer gefunden hat. In der Vernetzung zwischen dem Landbus und den Bussystemen in den Städten konnten die Angebote im öffentlichen Busverkehr deutlich verbessert werden. Unser Stadtbus war wegbereitend und ist es auch heute noch“ freut sich Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann zum Jubiläum des Dornbirner Stadtbus.  

Was im Jahr 1991 mit drei Linien und einem Busbahnhof in der Riedgasse begann, vernetzt heute nahezu das gesamte Stadtgebiet mit gleich zwei großen Umschlagplätzen am Bahnhof und auf der Sägerbrücke. Der Start war mutig. Damals waren die große Resonanz und Bedeutung des neuen Bussystems noch gar nicht absehbar. Entsprechend groß waren Skepsis und mitunter sogar Widerstände der Konzessionsgeber in Wien. Zum Jubiläum erfolgt ein Rückblick auf 25 Jahre Erfolgsgeschichte mit einer eigenen Broschüre, die dem Dornbirner Gemeindeblatt beigelegt ist. Stadtplanungsstadtrat Vizebürgermeister Mag. Martin Ruepp: „Die Eröffnung des zweiten großen Knotenpunkts des öffentlichen Busverkehrs auf der Sägerbrücke war auch Anlass, das System weiter zu entwickeln und zu optimieren. Mit einer neuen Linie entlang der Dornbirner Ache werden wir ab Dezember sogar das Angebot ausweiten.“ Die Änderungen und Verbesserungen werden mit dem Fahrplanwechsel kommuniziert.  

1991 bis 2016 - vom mutigen Start zum Erfolgsmodell
ein Rückblick von Stefan Limburg  

Die Vorgänger des Stadtbus ... In Dornbirn war die zwischen November 1902 und Oktober 1938 verkehrende Elektrische Bahn Dornbirn-Lustenau (EBDL) auf dem Abschnitt zwischen Bahnhof und Spital von Bedeutung für den Lokalverkehr. Dem nachfolgenden Autobusbetrieb der Deutschen Reichspost – zufällig rot wie der spätere Stadtbus – war trotz des Einsatzes modernster Fahrzeuge der Marken Austro Fiat sowie Gräf & Stift aufgrund des baldigen Kriegsausbruchs kein Erfolg beschieden. Nach Kriegsende verkehrten in Dornbirn zunächst nur die wenigen Züge der damaligen österreichischen Bundesbahnen auf der Strecke zwischen Arlberg und Bodensee. Der Wiederaufbau des vor dem Krieg in Vorarlberg bestehenden Netzes an Autobuslinien lief nur zögerlich an. 1948 kam das Projekt einer Trolleybus-Ringlinie Dornbirn – Lustenau – Bregenz – Dornbirn zur Sprache. Diese hätte in beiden Richtungen auch einen Ortsverkehr zwischen Haselstauden, Bahnhof, Markt, Hatlerdorf und Schoren hergestellt. Zu einer Umsetzung der Idee kam es – trotz Befürwortung aus Kreisen der Politik und Bevölkerung – wegen Schwierigkeiten bei der Finanzierung nicht.  
Eine erste Stadtverkehrslinie wurde in Dornbirn 1967 eingerichtet. Die Firma Ernst Rhomberg erhielt Ende 1966 die Konzession für die Strecke Schmelzhütterstraße Eisenbahnbrücke – Rohrbach – Sägerbrücke mit wenigen, vorwiegend auf den Schülerverkehr ausgerichteten Fahrten. Die regionalen Verbindungen des Kraftwagendienstes der Bundesbahnen sowie der Post bedienten zwar zahlreiche Haltestellen im Stadtgebiet, Taktfahrpläne waren aber noch weitgehend unbekannt. Alle Linien verkehrten in unregelmäßigen Abständen und waren auf die regionalen Verkehrsbedürfnisse ausgerichtet.    

Mutiger und innovativer Start
Im schweizerischen Frauenfeld hatte sich seit 1981 ein Stadtbus-System etabliert, wie es bislang in kleinen und mittleren Städten unbekannt war. Dieses diente Ende der 1980er Jahre der Stadt Dornbirn als Vorbild. Es wurde eine schlanke Struktur gebildet: Die Stadt Dornbirn war und ist Konzessionär und gibt die Planung und die Finanzierung vor. Der Transportauftrag wurde an den Postbus und die Firma Rhomberg Reisen vergeben. Die Grundzüge des Systems waren sehr einfach: 3 Linien – 30-Minuten-Takt – Rendezvous in der Riedgasse – Fahrpreis 10 Schilling.  
Mit einem einheitlichen Aussehen gingen am 26. Oktober 1991 neue, moderne Niederflur-Busse mit 3 Türen und 10 Meter Länge sowie neu gestaltete Haltestellen und Fahrgastinformationen an den Start. Der einfache und einprägsame, aber dennoch markante Name des neuen Angebotes lautete schlichtweg „Stadtbus Dornbirn“. Das vom Grafik-Designer Reinhold Luger entwickelte Erscheinungsbild, ergänzt durch die von Wolfgang Ritsch erfolgte architektonische Umsetzung, war Grundlage für den Auftritt der in der Folge gegründeten Stadt-, Land- und Ortsbus-Betriebe zwischen Bodensee und Montafon. Anfangs skeptisch betrachtet, entwickelte sich der Stadtbus zum Erfolgsmodell. Der Start des Tarifverbundes Vorarlberg im Dezember 1991 hat durch ein im ganzen Bundesland einheitliches Tarifsystem wesentlich zum Gelingen des Stadtbus-Projektes beigetragen, da zur Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel fortan ein einziger Fahrschein genügte.    

Erfolgreiches Wachstum
Schon im ersten vollen Betriebsjahr 1992 nutzten die Dornbirnerinnen und Dornbirner mit Begeisterung ihren neuen Stadtbus. Auf drei Durchmesserlinien (1 Messegelände – Bahnhof – Primelweg, 2 Wallenmahd – Am Stiglbach, 3 Am Eisweiher – In Fängen) wurde montags bis freitags von 6:00 bis 20:00 Uhr, an Samstagen bis 13:00 Uhr halbstündlich ein Netz mit 58 Halte­stellen bedient. Für die Verknüpfung der Linien untereinander wurde in der Riedgasse im Herzen Dornbirns ein Rendezvous-Punkt für sechs Busse angelegt. In unmittelbarer Nähe wurde seinerzeit auch das Stadtbusbüro als Informations- und Servicestelle eingerichtet. Für den Betrieb standen anfangs sieben Midibusse zur Verfügung. Ein breiter, stufenloser Einstieg in der Fahrzeugmitte ermöglicht seither den problemlosen Einstieg mit Kinderwagen und für Mobilitätseingeschränkte.  
Bereits im Mai 1992 erfolgte die erste Netzerweiterung mit einer vierten Linie vom Zentrum übers Oberdorf zur Karrenseilbahn und saisonal weiter bis zum Waldbad Enz sowie eine Ausdehnung der Betriebszeiten an Samstagen bis 18:00 Uhr. Am 13. September 1993 konnte nach Anschaffung weiterer Fahrzeuge auf Teilstrecken die Verdichtung auf einen 15 Minuten-Takt erfolgen. Dafür standen nun einschließlich der benötigten Reserve insgesamt zwölf Busse zur Verfügung. Im Oktober 1994 folgte eine große Umstrukturierung des Liniennetzes. Aus den bisherigen vier Linien wurde durch Aufsplittung und veränderte Streckenführungen nun ein Netz mit sieben Stadtbus-Linien. Eine Ausweitung der Betriebszeiten bis in die Nachtstunden erfolgte zum Juli 1995 und nach einjährigem Probebetrieb wurde im September 1996 der Bergbus nach Kehlegg endgültig in den Fahrplan aufgenommen.    

Zum 10-Jährigen: Neuer Busbahnhof und neue Flotte
Da die Umsteigeanlage in der Riedgasse mit zunehmender Linienzahl und stetig steigenden Nutzerzahlen an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt war, wurde beschlossen, am Bahnhof einen neuen Busplatz zu eröffnen. Dieser wurde ab Februar 2002 zentraler Umsteigepunkt zwischen den Stadtbus-Linien und bietet zugleich Umsteigemöglichkeiten zu zahlreichen Landbus-Linien sowie den Zügen der ÖBB. Das Stadtbusbüro siedelte im September 2003 ebenfalls von der Riedgasse an den Bahnhof um. Nach etwa zehn Jahren im Einsatz erfolgte ab 2002 die Ablösung der Fahrzeuge aus der ersten Generation, die u.a. im russischen St. Petersburg ein neues Einsatzgebiet fanden und teilweise heute noch verkehren. Das Liniennetz erfuhr den weiteren Ausbau auf neun Linien und die weitgehende Einführung eines 15 Minuten-Taktes auf den meisten Streckenabschnitten.    

Stetige Verbesserung des Angebots
Bei der Weltgymnaestrada 2007 konnte der öffentliche Verkehr, besonders der Stadtbus Dornbirn, seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Den mehr als 22.000 Sportlern aus der ganzen Welt wurde ein großstädtisches Bussystem geboten. Die Ablösung der zweiten Stadtbus-Generation begann nach nur sieben Einsatzjahren bereits ab 2009. Mit modernen Fahrzeugen gerüstet, entwickelten sich die Fahrgastzahlen in den folgenden Jahren bei weiteren Anpassungen im Liniennetz weiterhin positiv. Auf der Linie 1 macht diese Tendenz seit 2014 erstmals den Einsatz von zwei größeren Stadtbussen mit zwölf Metern Länge notwendig. Gegenwärtig bedient der Stadtbus mit seinen elf Linien 119 Haltestellen. Dafür sind 20 Busse der ÖBB Postbus GmbH und der E.+E. Rhomberg GmbH im Einsatz, die rund 1 Million Kilometer pro Jahr fahren. Durchschnittlich befördert jeder Bus pro Einsatztag rund 1000 Fahrgäste.    

Zusätzliches Umsteige-Zentrum und zukünftiger Ausbau
Mit den Ende Mai 2016 auf der neu eröffneten Sägerbrücke in Betrieb genommenen Haltestellen „Sägerbrücke/CAMPUS V“ steht dem Stadtbus ein zweiter leistungsfähiger Knotenpunkt neben dem Bahnhof zur Verfügung. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 wird das Stadtbus-Netz erneut verbessert werden. Dieses sieht eine neue Linie 10 vom Oberdorf ins Messegelände sowie einen Ausbau des sonntäglichen Angebotes auf den Linien 2, 3 und 5 vor. Die bisherigen Linien 1a und 2a werden neu als Linien 14 und 12 geführt. Zudem wird im gesamten Liniennetz aufgrund zunehmenden Individualverkehrs eine Anpassung der Fahrzeiten erfolgen. Weitere Ausbauetappen sollen künftig den Bereich Hatlerdorf-Südwest sowie die Betriebsgebiete Wallenmahd und Dornbirn-Nord noch besser erschließen. Für eine zu schaffende Linie in Richtung Erlgrund – Lange Mähder – Messegelände muss erst noch das Straßen- und Wegekonzept für diesen Stadtteil erarbeitet werden.    

Oft kopiert - Der Stadtbus Dornbirn als Vorbild
Der schnelle Erfolg des Stadtbus-Konzeptes in Dornbirn ließ zunächst die Verantwortlichen aus Feldkirch und Bregenz aufhorchen. Dort zeigte man sich vom Dornbirner Modell beeindruckt und setzte ein solches bereits im März 1993 in Feldkirch und im Oktober desselben Jahres in Bregenz um. Doch auch jenseits der Grenze zogen die roten Stadtbusse die Aufmerksamkeit der Planer auf sich. Die bayerische Bodensee-Metropole Lindau führte 1994 ein nach Dornbirner Vorbild gestaltetes Stadtbus-Netz ein, das sich in Optik und Netzausrichtung mit einem zentralen Umsteigepunkt an den bestehenden Vorarlberger Systemen orientierte. Selbst in Nordrhein-Westfalen entwickelten mehrere Mittelstädte entsprechende Stadtbus-Systeme. Im März 1997 folgte als letztes seiner Art in Vorarlberg das Stadtbus-System in Bludenz. Und auch die in der Folge in Lech (Juni 1997), Schruns/Tschagguns (Dezember 1999) und Am Kumma (Dezember 2008) eingerichteten Ortsbus-Verkehre orientieren sich in den wesentlichen Grundzügen am Dornbirner Leitbild.  

Am 4. September 1999 wurde der Landbus Unterland nach dem Vorbild der Organisationsform des Stadtbus Dornbirn eingeführt. Durch perfektes Zusammenspiel von Land- und Stadtbus wurden Linien adaptiert und Zeitanpassungen vorgenommen. Dadurch entstand auf den Hauptachsen ein 10-Minuten- bzw. teilweise ein 5-Minuten-Takt zwischen beiden Systemen. Dieser große Qualitätssprung wurde von den Fahrgästen honoriert und bestens angenommen.